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1/08/2012

365 Tage sind ein Jahr

Es gibt Sätze, die würden mir im Leben nicht über die Lippen kommen. "Ein gutes neues Jahr" ist einer davon. Schlichtweg sehe ich keinen Sinn darin, sich zum Jahresbeginn gegenseitig etwas zu wünschen, was man überhaupt nicht so meint. Nur dass man sich wegen der Tradition zu dieser Floskel verpflichtet fühlt, rechtfertigt keine Lüge.
Circa 90% meiner Freundinnen haben schon zwei Wochen vor dem Jahreswechsel Panik vor Silvester. Die Devise lautet Hauptsache nicht feiern, auf gaaar keinen Fall feiern, "weil es ja eh nur wieder scheise wird". Ich höre von Plänen wie "um 7 geh ich ins Bett und schlafe bis zum nächsten Mittag". Da gebe ich schon lange nichts mehr drauf, verdrehe nur die Augen und frage mich, wieviel Naivität es braucht, zu glauben man würde von der Böllerei nicht aufwachen? Diese absolut strikte Meidung jeglicher Silvesterpartys begründet diese Gruppe meiner Freundinnen damit, dass das letzte Jahr echt schlecht gelaufen ist und das neue ja sowieso wieder noch beschissener wird. "Wozu diese Misere auch noch feiern?" Am 1.Januar erhalte ich eine Nachricht "Wunderschönes neues Jahr meine Liebe" Ähm... Haha?! Gestern stand die Verfasserin noch kurz vor dem Selbstmord, weil sie keinen Bock auf ein weiteres furchtbares Jahr hat, heute findet sie es wunderschön. Da stimmt doch was nicht.
Aber nicht nur bei ihr. Da gibt es eine Hand voll Mädels in meinem Bekanntenkreis, bei denen silvestertechnisch definitv nicht alles richtig läuft. Wer schon im März beginnt, eine Silvesterfeier so zu planen, als ob es um eine royale Hochzeit ginge, hat meiner Meinung nach einen an der Klatsche. "Die allergrößte Party des Jahres" wird überall angekündigt, was soviel bedeutet wie Facebook-, Email-, SMS-, und Telefonterror die nächsten acht Monate. Noch zehn mal toller und bombastischer als im letzten Jahr soll es werden. Monate vorher wuseln sie wie verrückte Hühner durch Klamottenläden, um das ultimative Silvesterdress zu ergattern. Bei der Planung scheuen diese Mädels weder Zeit, Mühe und Kosten noch Prunnk und Glitzer. Die große Euphorie hält schließlich bis zum 31.Dezember Punkt 22 Uhr. Fünf von den circa 5000 Eingeladenen sind erschienen und drängen sich mit langen Gesichtern in der riesigen extra gemieteten Halle wie verlorene Kätzchen in Ausgangnähe. Auch der Live-DJ schafft es nicht, die allgemeine Fluchstimmung, die in der Luft liegt, zu vertreiben. Vor lauter Missmut wird um 12 nichtmal mit den gekauften 100 Litern Sekt angestoßen. Dafür erscheint um 00:01 von einer der Veranstalertinnen der Facebookeintrag: "Wuuuaaaa YEAH wir wünschen euch allen ein supertolles neues jahr. hoffen ihr feiert genauso geiil wie wir :) :)" Darüber schüttel ich nur den Kopf. Da hat wohl sogar die Schlaffraktion ein besseres Silvester erlebt.
Ich selbst gehöre weder zu denen, die Angst vor Silvester haben und den Tag am liebsten aus dem Kalender streichen möchten, noch zu denen, die genau in dieser Nacht auf Biegen und brechen die coolste Party der Menschheit erleben wollten. Das Zeitsystem wurde nunmal eingeführt. Ich weiß nicht wann und nich von wem, nur dass ein Jahr 365 Tage hat und danach das ganze von vorne los geht. Aber wo wurde jetzt festgelegt, dass ausgerechnet der 365-ste Tag ein ganz besonderer ist? Diesen Abschnitt kann ich einfach nich finden. In Anbetracht, dass es ebensogut den 16. August oder jedes x-beliebige Datum hätte treffen können, ist der 31. Dezember nichts weiter, als ein Tag wie jeder andere. Nicht besser und nicht schlechter. In diesem Sinne wünsche ich Happy New 365-days ihr Lieben. Und das meine ich wirklich - und zwar jeden Tag!

Vorsatz ab jetzt: Mit Luftsprüngen durchs Leben!

9/23/2011

Sag dem Sommer Auf Wiedersehen, Schätzchen

Ich sah ihm noch lange nach, als er ging. Würde er sich noch einmal umdrehen? Nichts in diesem Moment wünschte ich mir mehr. Alles hätte ich dafür gegeben, noch ein einziges mal seine Wärme zu spüren. Nur noch ein einziges mal. Die letzten Tage waren so schnell vergangen. Stunden wurden zu Sekunden. Sie glitten mir durch die Finger und noch so sehr wie ich mich bemühte, ich konnte sie nicht halten. Der Abschied stand  schon lange unabdingbar zwischen uns. Zuletzt rauschte alles an mir vorbei, wie ein Schnellzug. Eine flüchtige Liebeserklärung, ein letzter Kuss, dann war er weg. Unwiderrufbar. Hilflos stand ich da. Ich hatte es nicht verhindern können. Er drehte sich nicht noch einmal um.

gewidmet Herrn Sommer

Geliebter Herr Sommer, ich werde dich vermissen. Ich weiß noch nicht, ob mich Herr Herbst über dich hinweg trösten kann.

7/31/2011

Lipstick girls

 
Es gibt nichts auf dieser Welt, das Erotik, Rebellion und Schönheit vollkommener vereint als Lippenstift.
alle Bilder via 

Einst so stolz war ich auf meine Lippenstiftsammlung. Nun liegt sie verstreut in dreckigen Discoklos, Badezimmern von billigen spanischen Hotels, Handtaschen guter Freundinnen, Autos von Liebhabern und Sofaspalten von entfernten Bekannten.
Ich trug meine Lippenstifte gerne. Mit ihnen erlebte ich das Gefühl von Schönheit. Welchen Raum ich auch betrat, die Blicke waren auf mich gerichtet. Männer spendierten mir alkoholische Getränke, Frauen baten mir Zigaretten an. Während ich sprach, hingen alle an meinen tiefroten Lippen. Es war Macht, die sie mir verliehen. So schritt ich erhaben durch verrauchte Clubs, hinterließ rote Spuren an den Rändern von Gingläsern und schaute auf die anderen Mädchen mit ihren kurzen Kleidern und zerzausten Haaren nur lächelnd herab. Sie konnten mir nichts und ich konnte alles. Denn allein mir waren die Männer willenlos ergeben. Wie Marionetten steuerte ich sie die ganze Nacht nach meinem Willen. Für ein paar Stunden ließen mich meine bemalten Lippen Gott spielen.
Und wenn ich in den frühen Morgenstunden nach Hause kam, ging ich ins Badezimmer und wischte mir mit einem Handtuch die Farbe vom Mund. Dann betrachtete ich mich in dem großen eckigen Spiegel, der über dem Waschbecken hing. Das Licht aus der Neonröhre darüber flackerte. Ich sah ein leeres, müdes Gesicht vor mir. Behutsam strich ich mit dem Zeigefinger über meine nackten Lippen. Es war als hätte es die letzte Nacht nie gegeben.

7/25/2011

what's wrong with stormy july?

Draußen tobt der Wind. Unerbitterlich pustet er die Blätter von den Bäumen. Ein jähzorniges Szenario spielt sich dort in der Natur ab. Bei Spaziergängen jagt er den hilflos ausgelieferten Menschen das umherwirbelnde Laub ins Gesicht, als ob es Pistolenschüsse seien. Dann regnet es. Aus den gebrochenen Wolken prasseln große, kräftige Tropfen wie Bomben auf die Erde. Die Gewalt ist unberechenbar. Unsere Erde wird von einer stürmischen, unbarmherzigen und grausamen Jahreszeit regiert. Ich spreche nicht allein vom Juli. Was läuft hier nur verkehrt?

Schuhe: Reno - Shorts: alte abgeschnittene Levis Jeans - T-Shirt, Jacke: H&M - Strickjacke: New Yorker

2/02/2011

Du drehst dich im Kreis

Eigentlich wollte ich schon vor drei Stunden zuhause sein. Nur auf eine schnelle Tasse Tee vorbeischauen. Daraus wurden zwei drei vier fünf. Über den Sinn des Lebens haben wir geredet. Daran gezweifelt. Das in Frage gestellt, was wir tun. Zu dem Ergebnis gekommen, dass jeder Mensch permanent unzufrieden ist. Hast du kein Geld, hättest du gern welches. Bekommst du dann Geld, ist dir nach kurzer Zeit langweilig. Hast du irgendeinen Job, machst du ihn nur, weil du musst. Du stellst dir die Frage, warum musst du? Weil du Verantwortung hast? Für deine Familie? Deine Freunde? Dich selbst? Was wäre, wenn nur du da wärst. Allein. Irgendwo. Willst du das? Dein ganzes Leben lang fragst du dich ständig, willst du das wirklich, wenn du das nicht willst, was dann? Warum studiere ich? Warum lerne ich? Warum kann es mir nicht einfach Spaß machen? Ein guter Freund beantwortete mir diese Fragen heute mit „Weil das Leben immer gegen dich ist. Sonst wäre es keine Herausforderung“. Vielleicht will ich keine Herausforderung. Doch ohne Herausforderung hätte man kein Ziel. Überhaupt keine Richtung. Man wäre unzufrieden. So dreht man sich ständig im Kreis. Das Leben als Kreis. Gar nicht so abwegig. Man zieht solange seine Runden, bewegt sich im immer gleichen Trott, bis man aus der Umlaufbahn herausgeschleudert wird. In einen neuen anderen Kreis. Vielleicht ist dieser größer und abwechslungsreicher als der davor. Mit jedem Kreis beginnt ein neuer Abschnitt des Lebens. Aufregende Zeiten. Bis man zur Ruhe kommt. Man verlässt das Kreissystem. An diesem Zeitpunkt haben die einen die Erfüllung des Lebens gefunden. Ihre ganz eigene Definition davon. Was ihnen gefällt. Sie sind zufrieden. Und die anderen? Die denken es nur. Machen sich solange etwas vor, bis sie der Kraft der Kreise nicht mehr standhalten können und zurück gesogen werden und weiter rastlose ratlose Kreise ziehen. Wochen, Jahre, Monate, vielleicht auch nur Tage. Irgendwann werden sie müde. Können nicht mehr. Bleiben stehen und werden von den anderen Kreisenden überrannt. Ein paar schaffen es, sich zu retten. Sie sind diejenigen, die gerade noch die Kurve bekommen haben. Und weil sie sich dessen bewusst sind, wie knapp es war, sind sie glücklich. Es könnte doch sein, dass dies die Formel zum Glück ist. Das Geheimnis glücklicher Menschen basiert vielleicht nur auf dem richtigen Zeitpunkt. Zu wissen, wann es Zeit ist, den Strudel aus Kreisen zu verlassen. Vielleicht ist aber auch alles völliger Quatsch. Es gebe keine Kreise. Es gebe kein Schicksal. Es gebe kein Pech. Es gebe kein Glück. Was bleibt, ist die Unsicherheit und gleichzeitig die Gewissheit: Das Leben hält sich an keine Regeln. Und wenn es nicht einmal das Leben tut, dann müssen wir es erst Recht nicht!
Es ist jetzt kurz nach zwei Uhr nachts. Das dreckige Geschirr von vor ich-kann-es-nicht-mehr-zählen-wievielen Wochen steht immer noch herum. Ich bin ungeduscht. Morgen früh muss ich wieder in die Uni. Der Kreis dreht sich unweigerlich weiter. Vielleicht steh ich einfach nicht auf. Am besten stell ich den Wecker erst gar nicht. Plötzlich erscheint alles wieder so einfach.

Ich weiß nicht, was mich erfüllt. Heute, Morgen, in neunzehn Jahren. Aber ich weiß, was mir jetzt im Moment gefällt. Das Schreiben, die Mode und Fotos. Und deshalb mache ich das einfach. Man sollte das Wort "einfach" viel häufiger benutzen. Ich möchte in diesem Blog über Gedanken, Kleider, Mode und alltägliche Erlebnisse schreiben. Mit Bildern gespickt. Über Leser freue ich mich natürlich sehr!

Was es mit dem Blogtitel auf sich hat, werde ich auch bald verraten.
Gute Nacht, Rosa Rot.